WIEN. Der Wiener Arbeitsmarkt sendet weiterhin positive Signale. Zwar ist die Zahl der beim AMS Wien als arbeitslos vorgemerkten Personen im Juni 2026 im Jahresvergleich um 1,8 Prozent auf 122.238 angestiegen, gleichzeitig ging jedoch die Zahl der Kundinnen und Kunden in Schulungsmaßnahmen deutlich zurück: Hier gab es ein Minus von 10,4 Prozent auf 32.174 Personen. In der Gesamtsumme beider Gruppen zeigt sich damit eine Entlastung – die Zahl der Betroffenen ist insgesamt um 1 Prozent kleiner geworden.
Wien mit besserer Entwicklung als der Rest Österreichs
Beim AMS Wien blickt man zuversichtlich auf die kommenden Monate und erwartet, dass sich dieser insgesamt positive Trend auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt. „Die Konjunkturprognosen sind insgesamt wieder optimistischer geworden“, erklärt Winfried Göschl, Chef des AMS Wien. „Wir glauben daher, dass die Talsohle bei der Arbeitslosigkeit durchschritten ist und die Zahl der Menschen auf Jobsuche weiter zurückgehen wird.“
Besonders für die Bundeshauptstadt stehen die Zeichen gut. Göschl zeigt sich überzeugt, dass Wien im österreichweiten Vergleich die Nase vorn haben wird: „Bei Arbeitslosigkeit und Beschäftigung erwarten wir in Wien sogar eine leicht bessere Entwicklung als in den anderen Bundesländern.“
Unterschiedliche Dynamiken in den Branchen und Altersgruppen
Ein genauerer Blick auf die Daten offenbart jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Wirtschaftszweige. Während die Zahl der über 50-Jährigen, die entweder arbeitslos oder in Schulung sind, um 3,6 Prozent gestiegen ist, gibt es bei den unter 25-Jährigen einen erfreulichen Rückgang von 6,2 Prozent.
Auch die wichtigsten Branchen der Stadt entwickeln sich differenziert:
- Einzelhandel: + 8,0 Prozent mehr Arbeitslose
- Warenproduktion: + 6,4 Prozent mehr Arbeitslose
- Bauwirtschaft: – 5,2 Prozent weniger Arbeitslose
- Hotellerie und Gastronomie: – 0,8 Prozent weniger Arbeitslose
Männer profitieren stärker als Frauen: Die Rolle des Pensionsalters
Die einsetzende Konjunkturerholung kommt derzeit den Männern in der Bundeshauptstadt deutlich stärker zugute als den Frauen. So sank die Zahl der arbeitslosen oder in Schulung befindlichen Männer beim AMS Wien im Jahresvergleich spürbar um 5,7 Prozent. Im Gegensatz dazu verzeichneten die Frauen in derselben Statistik ein Plus von 4,8 Prozent.
Für diese Schere gibt es laut AMS-Wien-Chef Göschl eine konkrete strukturelle Ursache: „Ein wesentlicher Faktor ist das steigende Pensionsantrittsalter der Frauen, das natürlich auch Verdrängungseffekte hat.“ Dies habe eine doppelte Wirkung auf den Markt: „Das heißt nicht nur, ältere Frauen bleiben länger in Beschäftigung, sondern auch, die Nachbesetzung mit jüngeren verschiebt sich dadurch.“

